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THEMEN: Oscars 2026 | Mogelpackung statt Milliardendeal | Netflix übernimmt Warner Bros.

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Im März 2026 werden die Oscars verliehen. 86 Länder können sich Hoffnung auf den Auslandspreis machen.



Auslands-Oscar: 86 Filme im Rennen

Filmbeiträge aus 86 Ländern bewerben sich für den sogenannten Auslands-Oscar, der auch nicht mehr "Bester fremdsprachiger Film" heißen darf, weil man sich an dem Wort fremd gestört hat, sondern nun in der Kategorie "International Feature Film" eingeordnet ist, wie die Oscar-Akademie in Los Angeles mitteilte.

"Wir glauben, dass 'Internationaler Spielfilm' diese Kategorie besser repräsentiert und eine positive und inklusive Sicht eröffnet auf das Filmemachen und auf Film als Kunst und universelle Erfahrung", so die Academy.

Zudem sind derzeit keine Regeländerungen in Bezug auf Filme von Streaminganbietern wie Netflix vorgesehen. "Wir werden die tief greifenden Veränderungen in der Filmindustrie weiter verfolgen", so Academy-Präsident John Bailey, "und mit unseren Mitgliedern weiter über dieses Thema diskutieren."


Deutschland ist für die 98. Oscar-Verleihung im kommenden März mit dem Drama "In die Sonne schauen" von Mascha Schilinski vertreten. German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, hat den Beitrag der Berliner Regisseurin ausgewählt. Er handelt von vier jungen Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten auf einem Bauernhof in der Altmark leben. Es geht unter anderem um häusliche Gewalt, verdrängte Sehnsüchte und vererbte Traumata.

Hier der Trailer:



Damit haben die vier anderen deutschen Mittbewerber der Vorauswahl leider das Nachsehen. Eine unabhängige Fachjury hatte neben Mascha Schilinskis ausgewählten Film folgende Werke nominiert: "Amrum" von Fatih Akin, die von Sandra Maischberger produzierte Doku "Riefenstahl" sowie "Cranko" von Joachim Lang und der Antikriegsfilm "Tiger" von Dennis Gansel.

Frankreich bewirbt sich mit "Ein ein­facher Unfall" des iranischen Regis­seurs Jafar Panahi, Norwegen mit dem Familiendrama "Sentimental Value", das wir gerade gestern besprochen haben, Spanien ist mit dem verstörenden Techno-Roadmovie "Sirât" vertreten, Brasilien mit dem korrupten Polizei-Thriller "The Secret Agent" und die Schweiz schickt die taffe Krankenschwester-"Heldin" mit Leonie Benesch ins Rennen.

Das heißt aber nicht, dass die favorisierten Werke es auf die Shortlist oder sogar unter die Oscar-Nominierten schaffen, denn die Academy of Motion Picture Arts and Sciences wählt aus allen Bewerbungen nur 15 Filme für eine «Shortlist» aus, die am 16. Dezember 2025 bekannt gegeben werden soll. Daraus werden dann am 22. Januar 2026 fünf Filme für die Endrunde nominiert. Die 98. Oscarverleihung findet am 15. März 2026 statt.

Im vorigen Januar hatte es für Deutschland der Politthriller "Die Saat des heiligen Feigenbaums" des Iraners Mohammad Rasoulof in die Oscar-Endrunde geschafft. Die Trophäe als bester internationaler Film ging am Ende an das brasilianische Drama "Für immer hier" von Walter Salles. 2023 holte die deutsche Literaturverfilmung "Im Westen nichts Neues" von Regisseur Edward Berger vier Oscars, darunter in der Sparte Internationaler Film.

Link: www.oscars.org

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Mogelpackung statt Milliardendeal: Was die vorgelegten Zahlen von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wirklich zeigen.

Berlin, 7. Dezember 2025

Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Dr. Wolfram Weimer kündigte an, in den kommenden fünf Jahren würden „Summen in Milliardenhöhe von den weltweiten Konzernen in die deutsche Filmproduktion fließen“.


Ein internes BKM-Papier, das der Produktionsallianz vorliegt, zeigt jedoch, dass Selbstverpflichtungen ein Irrweg sind. Die Produktionsallianz setzt in einem eigenen Papier diese Zahlen in den Kontext der maßgeblichen Branchenstatistiken und -studien. (PwC, Goldmedia, Ampere Analysis).

Dazu erklärt die CEO und Sprecherin des Gesamtvorstands der Produktionsallianz Michelle Müntefering:

„Unsere in dieser Woche veröffentlichte Herbstumfrage zeigt in aller Klarheit die schwierige Lage vieler Produktionsunternehmen in Deutschland. Ein genauer Blick auf die Zahlen fällt daher ernüchternd aus. Denn klar wird: Die von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer angekündigten „Investitionsmilliarden“ entpuppen sich als Mogelpackung.

Die „freiwillige Selbstverpflichtung“ von Amazon, Netflix & Co. soll in den kommenden 5 Jahren lediglich 1,83 Mrd. Euro an Investitionen nach Deutschland bringen.

ARD und ZDF investierten im Jahr 2024 bereits 1,75 Mrd. Euro, dazu kamen die privaten Sender mit 1,78 Mrd. Euro. Auf 5 Jahre gerechnet liegen allein die gesamten Investitionen der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender in Deutschland bei 8,9 Mrd. Euro.

Eine Investitionsverpflichtung in Höhe von 15% auf die in Deutschland erwirtschafteten Umsätze würde insbesondere wegen der hohen Wachstumsraten des Streamingmarktes im gleichen Zeitraum bis zu 3,88 Mrd. Euro bedeuten. Die angekündigten 1,83 Mrd. Euro (2026–2030) der internationalen Streamer sind also wenig überzeugend.

Die Wahrheit lautet: Mit freiwilligen Selbstverpflichtungen wird nicht einmal die Hälfte der Investitionen mobilisiert, die mit einer gesetzlichen Investitionspflicht möglich wären. Zudem sind diese freiwilligen Zusagen äußerst intransparent – es ist weder klar, welche Investitionen genau darunterfallen, noch, wie deren Einhaltung kontrolliert werden soll.

Hinzu kommen unabsehbare Entwicklungen der internationalen Player, das zeigt gerade wieder die Übernahme durch Netflix von Warner. Wenn sie also lediglich den heutigen Stand der Dinge abbildet, wird jegliche freiwillige Verpflichtung schnell obsolet.

Fest steht: So wird der Koalitionsvertrag nicht erfüllt und der Filmstandort nicht gestärkt. Im Gegenteil. Deutschland wird ohne eine gesetzliche Regelung im internationalen Wettbewerb weiter abgehängt. Wir fordern weiterhin die Einführung einer gesetzlichen Investitionsverpflichtung. Nur sie schafft Transparenz, Planungssicherheit und Vertrauen in den Filmstandort Deutschland.”


Eine zum Download vorliegende Grafik der Produktionsallianz zeigt die Mogelpackung auf einen Blick.

Link: produktionsallianz.de

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Auch Crew United, das Netzwerk der Filmbranche, widmet sich dem BKM-Thema.

Am 11. Dezember 2025 geht es im Koalitionsausschuss um die Frage der Investitionen von Sendern und Streamern, mit dem der BKM für seinen Weg der „Selbstverpflichtung“ wirbt. Von insgesamt (knapp) 15,5 Mrd. Euro, die für fünf Jahre an rechtlich unverbindlichen Absichtserklärungen im Raum stehen sollen, kämen demnach 1,83 Mrd. Euro aus dem VoD-Bereich.

Als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien geht Sven Lehmann (Bündnis 90/Die Grünen) – bekanntermaßen ein ausgesprochener Kritiker des BKM – mit den nun gemachten Ankündigungen hart ins Gericht:

„Diese angekündigten Investitionen in den Filmstandort Deutschland sind eine große Luftnummer. Ein Großteil der genannten Summen war ohnehin geplant und wird wohl kaum dazu führen, dass mehr Filme in Deutschland produziert werden. Zudem schaffen die freiwilligen Absichtserklärungen keinerlei Verbindlichkeit. Sie bieten weder Planungssicherheit noch sorgen sie dafür, dass dauerhaft mehr Investitionen nach Deutschland fließen. Wolfram Weimer sind anscheinend Schlagzeilen mal wieder wichtiger als substanzielle und nachhaltige Fortschritte“, so Lehmann.


Die Berechnungen umfassen laut dem Papier Netflix, Amazon Prime, Disney, RTL+, ProSiebenSat.1, Sky und Apple, Zahlen für Paramount+ lagen demzufolge nicht vor. Auch die Summe von 6,5 Mrd. Euro, die von den öffentlich-rechtlichen Sendern kommen soll, basiert derzeit nur auf einer Annahme.

Tatsächlich ist die jetzt im Raum stehende Summe von aufgerundeten 15,5 Mrd. Euro zumindest insofern Augenwischerei, als es von Anfang an primär um Investitionen der Streamer ging, deren Absichtserklärungen sich auf deutlich unter zwei Milliarden belaufen. Tatsache ist, dass der BKM im Gesprächsprozess natürlich keinerlei Vorgaben hinsichtlich der lokalen Verortung der Ausgaben in Deutschland machen konnte, weil Selbstverpflichtungen europarechtlich ebensowenig zulässig gewesen wären, wie eine entsprechende Passage in einem deutschen Gesetzestext.

Crew United befasst sich darüber hinaus mit der Übernahme von Warner Bros. durch Netflix, wie am Wochenende gemeldet wurde:

MÖGLICHE FOLGEN DER NETFLIXÜBERNAHME VON WARNER

FÜR DIE DEUTSCHE FILMBRANCHE
Weniger Aufträge für unabhängige Produzent*innen
Noch stärkerer Preisdruck auf Budgets & Gagen
Weniger Risiko, weniger Experimente
Mehr Buyouts, weniger faire Beteiligungen
Stärkerer Fokus auf globale Mainstream-Stoffe
statt lokale Vielfalt

FÜR DIE STREAMINGLANDSCHAFT IN DEUTSCHLAND
Markt kippt Richtung Oligopol
Warner-Inhalte exklusiv bei Netflix
Abos werden teurer
Weniger echte Alternativen
Algorithmen statt Redaktionen bestimmen Inhalte

FÜR DAS KINO
Kürzere Kinoauswertungen
Mittelgroße Filme verlieren ihr Geschäftsmodell
Kino wird reines Event-Medium
Weitere Kinoschließungen wahrscheinlich
Blockbuster überleben – der Rest wird verdrängt

FÜR ZUSCHAUER*INNEN
Preissteigerungen sehr wahrscheinlich
Weniger Vielfalt, mehr Franchise-Ware
Serien werden schneller abgesetzt
Mehr Datensammlung & Werbetargeting

SYSTEMISCHE RISIKEN
Extreme Marktkonzentration
Kreative Verarmung durch Renditelogik
Politischer & kartellrechtlicher Sprengstoff
Globale Plattform verdrängt nationale Filmkultur


Link: www.crew-united.com



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