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Noch kein grünes Licht für Wiedereröffnung von Kinos - weitere online Filmkritik

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Kulturstaatsministerin Monika Grütters setzt sich nur halbherzig für Wiedereröffnungen von Kinos ein.



Am letzten Freitagabend wäre bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises der richtige Zeitpunkt gewesen, den Filmtheaterbesitzern Mut zuzusprechen und eine langsame, behutsame Wiedereröffnung der Kinos bald in Aussicht zu stellen. Doch nichts geschah dergleichen.

Zuvor war Kulturstaatsministerin Monika Grütters im Tagesspiegel den Regierenden Bürgermeister von Berlin angegangen. Sie zeigte zwar Verständnis dafür, dass Michael Müller wegen der Corona-Pandemie die Berliner Bühnen weiterhin geschlossen halten will und auch das 57. Berliner Theatertreffen demzufolge vom 1. bis 9. Mai 2020 auf das Internet ausweichen muss und nicht live bei den Berliner Festspielen vor Publikum stattfinden kann.

Vom 1. bis 9. Mai 2020 werden dennoch sechs der zehn für das Treffen ausgewählte Inszenierungen auf www.nachtkritik.de, dem Stream des Maxim-Gorki-Theaters, sowie auf der Online-Plattform Berliner Festspiele on Demand zur Verfügung gestellt.

Das virtuelle Theatertreffen eröffnet am 1. Mai 2020 mit der Bochumer Inszenierung "Hamlet" in der Regie von Johan Simons.

Doch warum weiterhin Filmtheater geschlossen bleiben sollen, wenn dort die Hygienevoraussetzungen gegeben sind und ein ordentlicher Sitzabstand gewahrt wird, leuchtet auch Frau Grütters nicht ein.

Während in vielen anderen deutschen Städten inzwischen wenigstens Autokinos reaktiviert werden, tut sich in Berlin rein gar nichts.

In den USA wird dagegen der umstrittene Drei-Phasen-Plan, mit dem der US-Präsident die amerikanische Wirtschaft so schnell wie möglich wieder hochfahren will, zumindest im Bundessstaat Georgia umgesetzt. Der republikanische Gouverneur Brian Kemp hat angekündigt, dass die Kinos in seinem Bundesstaat unter bestimmten Auflagen wie Einhaltung der sozialen Distanz und der Hygienevorschriften ab Montag, den 27. April 2020 wieder öffnen können. Diese Regelungen gelten auch für Restaurants. Ähnliche Lockerungen werden in South Carolina und Tennessee erwartet.

Für die großen US-Kinoketten rechnet sich eine sofortige Wiedereröffnung allerdings kaum, da Ende April noch keine neuen Filme gestartet werden. AMC strebt eine Wiedereröffnung Ende Juni an und Cinemark möchte seine Häuser deswegen erst zum 1. Juli 2020 wieder öffnen.

Warner Bros. hat zudem als erste große Hollywoodproduktion Christopher Nolans neuer Thriller "Tenet" für den 17. Juli angekündigt. Eine Woche später soll am 24. Juli 2020 Disneys Live-Action-Abenteuer "Mulan" folgen. Weitere potenzielle Kino-Hits stehen mit Paramounts "SpongeBob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung" am 7. August und Warner Bros’ "Wonder Woman 1984" am 14. August 2020 an.

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Deutsche Filmfestivals veröffentlichen ihren Code of Ethics

Die aktuelle durch den Corona-Virus verursachte Krise stellt insbesondere an Festivals hohe Herausforderungen, schreibt das Branchenblatt Filmecho. Veranstaltungen müssen abgewickelt, verschoben oder neu als Online-Ausgabe geplant werden.

Überdies müssen zahlreiche rechtliche Fragen geklärt werden, etwa hinsichtlich Personalverträgen und Stornierungen, und vor allem Zuschüsse und Sponsoringleistungen gesichert werden. Viele kleinere Festivals sind durch die Situation überfordert. Nicht zuletzt entstehen in diesem Prozess ganz neue Fragen nach dem Zweck und der künftigen Ausgestaltung von Filmfestivals.

Die erst im Sommer letzten Jahres gegründete AG Filmfestival hat sich einstimmig auf einen Normenkatalog geeinigt, der einen fairen Umgang mit Filmen beziehungsweise Filmemacherinnen und Filmemachern ebenso wie unter Filmfestivals selbst regeln soll. Überdies werden auch Fragen der fairen Bezahlung oder des schonenden Umgangs mit Ressourcen bestimmt. Dieser Code of Ethics stellt die Grundlage der gemeinsamen Arbeit und vor allem des solidarischen Handelns untereinander dar.

Der Katalog umfasst 18 Punkte, in denen wesentlichen Themen und Interessen benannt werden. In der Präambel werden das Selbstverständnis der Filmfestivals postuliert und Ziele festgelegt. Filmfestivals verstehen sich als Teil der Filmwirtschaft und der kulturellen Praxis Kino. Dabei möchten sich die Filmfestivals auch an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nation orientieren. Sie setzen sich für eine plurale und gerechte Gesellschaft ein, sie sprechen sich gegen jegliche Diskriminierung aus und berücksichtigen Diversität sowohl in inneren Strukturen als auch in der Außendarstellung.

Die AG Filmfestival hat zwischenzeitlich seit Ende März einen temporären Infodienst für ihre Mitglieder eingerichtet. Ziel ist es, einen strukturierten Wissenstransfer unter Filmfestivals einzuleiten. In diesem Zusammenhang wurde auch eine interne Umfrage durchgeführt, um die drängendsten Fragen unter den Mitgliedern und damit mögliche Handlungsfelder zu ermitteln.

Alle Einzelheiten zum Code of Ethics der AG Filmfestival finden Sie hier als PDF.

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Filmfest Emden Norderney fällt 2020 ins Wasser.

Im wöchentlichen Rhythmus erreichen uns Meldungen von weiteren Festivalabsagen. Auch das für Juni geplante Internationale Filmfestival Emden Norderney fällt nun dem Corona-Virus zum Opfer.

"Nachdem in der vergangenen Woche die Restriktionen für Großveranstaltungen bis zum 31. August verlängert worden sind, sahen die Verantwortlichen zur Absage keine Alternative", so die Entscheidung des Aufsichtsrats und der Festivalleitung.


Nachdem im Vorjahr das 30. Jubiläumsfestival gefeiert werden konnte, soll nun die 31. Ausgabe erst im nächsten Jahr 2021 erfolgen. Mit Zuversicht kündigen die Verantwortlichen das nächste Internationale Filmfestival Emden Norderney für 9. bis 16. Juni 2021 an.

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FlimmIt zeigte Online Festival der Diagonale von Graz.

Österreichs Online-Portal FlimmIt ging einst mit der Absicht an den Start europäische Filmkultur über die Grenzen hinweg in deutschsprachigen Ländern verbreiten zu können. Doch nur ein kleiner Teil des FlimmIt Programms ist auf der deutschen Partnerseite good!movies aus Berlin zu sehen, denn die Online-Auswertung von Filmen wird trotz Einspruchs des europäischen Parlaments weiterhin territorial begrenzt.

Somit konnte in Deutschland leider auch nicht Österreichs ausgefallene Diagonale'20 in Graz gesehen werden, obwohl diese bei FlimmIt als Online Festival vom 24. März bis 24. April 2020 unter dem Titel "Die Unvollendete" stattfand. Zudem sind die Diagonale-Filme auch über diesen Termin hinaus auf den heimischen Streamingplattformen FlimmIt und im KINO VOD CLUB in Österreich zu sehen.

Unterdessen begab sich vom 21. bis zum heutigen 26. April 2020 auch das Linzer Filmfestival Crossing Europe traditionsgemäß quer durch Europa – diesmal virtuell und in drei Etappen unter dem Motto: "Zusammen streamen statt zusammenströmen!" Aus lizenzrechtlichen Gründen können auch diese Filme leider ebenfalls nicht in Deutschland abgerufen werden.

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Kino in Zeiten von Corona.

Den fünften Teil von "Kino in Zeiten von Corona" hat unsere Kollegin und Berlinale Berichterstatterin Elisabeth Nagy, auf OUT TAKES, dem Blog der Film- und Fernsehbranche veröffentlicht.

Als alternative Möglichkeit zu geschlossenen Filmtheatern und in Berlin noch immer nicht geöffneten Autokinos, von denen es einst zwei gab, hat man in Berlin-Prenzlauer Berg das Hinterhauskino entdeckt wo von dem Kulturprojekt Window Flicks jeweils Donnerstags und Samstags bewegende Filme auf Hauswänden für die Kiezbewohner Filme projiziert werden.

Darüber hinaus berichtet sie von Filmen, die nicht gestartet werden konnten und von jenen, die stattdessen auf Online-Portalen als Video on Demand (VoD) zu sehen sind.

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Auch unsere Filmkritikerin Ulrike Schirm hat sich für eine weitere Filmbesprechung die inzwischen vierte VoD-Veröffentlichung von Salzgeber Film angesehen, die allerdings nur vier Wochen lang für ein Entgelt zur Verfügung steht, um zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht doch noch in den Kinos gezeigt werden zu können.

"MADAME" Familiensaga von Stéphane Riethauser (Schweiz 2019, 94 Minuten). Nach der Premiere im August 2019 auf dem Filmfestival von Locarno seit 23.04.2020 exklusiv im Salzgeber Club unter www.salzgeber.de. Hier der Trailer:



Ulrikes VoD-Kritik:

Schon als 13-jähriger Junge hat Stéphan Riethauser seine Leidenschaft für das Filmedrehen mit einer Video-Kamera entwickelt. Mit "MADAME" hat er ein berührendes Doppelportrait über sich und seine ungewöhnliche Großmutter Caroline gedreht, verwoben mit Bildmaterial aus seiner großbürgerlichen Kindheit.

Seine heißgeliebte Großmutter wuchs zu einer Zeit auf, als es Frauen nicht gestattet war, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Von den Eltern zu einer Heirat gezwungen, konnte die nach Unabhängigkeit strebende Frau erst nach der Trennung von ihrem Mann, ihre Träume erfüllen. Caroline, die ihrer Zeit weit voraus war, wurde eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die allem künstlerischen zugewandt war. Für den heranwachsenden Stéphan wurde sie zu einem großen Vorbild. Etwa 50 Jahre später, führt Stéphane einen ähnlichen Kampf, als er seine Homosexualität entdeckt. Schon als kleiner Junge lief seine Erziehung dahingehend hinaus, dass aus ihm ein richtiger heterosexueller Mann wird, mit allem, was dazu gehört.

Die Erwartungen, die seine großbürgerliche Schweizer Familie an ihn stellt, empfindet er als Last und versucht alles, um ihnen zu entkommen. Seine Verbündete ist seine 90-jährige Großmutter, der er mit seiner zutiefst persönlichen Familiengeschichte ein liebevolles Denkmal setzt.

„Ich hatte kein Glück in der Liebe, aber ich war glücklich. Ich hatte ein wunderschönes Leben. Mein Körper und mein Geist waren frei. Ich bin eine glückliche alte Frau“. Es sind Carolines letzte Worte gegen Ende der wahren Coming-of-age- Geschichte, gesprochen von einer bewundernswerten Frau, die entgegen der gesellschaftlichen Norm, ein unangepasstes und selbstbewusstes Leben geführt hat, ganz so, wie sie es wollte.

Ulrike Schirm



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